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#1 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Constantin 04.07.2015 14:27

Hallo!

Ich hatte ja in einem anderen Thread bereits angekündigt dieses Thema diskutieren zu wollen. Nun ist es so weit. Es geht um geschmackliche Vorlieben hinsichtlich Goldfischen in verschiedenen Ländern.

Die Betreiberin der Website "Goldies in Hamburg", "Shochikubai", hat einen Goldfischladen in Japan besucht und schreibt über den Unterschied zwischen Fischen derselben Zuchtform, aber entweder nach chinesischem oder japanischem Geschmack:

Zitat
Man sieht gleich, daß Chinesen einen ganz anderen Geschmack haben. Ihre Goldies sind meistens mit dickerem WEN, und der Körper wirkt prall.


Ich habe auch den Eindruck, dass Goldfische in China und einigen Ländern Südostasiens nach wie vor als Wohlstandssymbol gelten, vielleicht noch mehr als in Japan (die haben ja dafür auch ihre Koi). Ich muss deswegen immer an ein Sparschwein denken, wenn ich Fische aus diesen Ländern sehe.


Kennt sich jemand ein wenig in der britischen Goldfischszene aus? Dort mag man offensichtlich auch mehr gedrungene, hochrückige Fische. Man denke dabei etwa an den Standard des "echten" Fantail, zu sehen auf der Website der Bristol Aquarists Society.


Was sind eure Eindrücke? Habt ihr vielleicht schon mit jemandem darüber gesprochen?

Viele Grüße!

#2 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Susanne 05.07.2015 13:39

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Hallo Constantin,
deine Fragestellung finde ich durchaus interessant. Aber gerade bei den Briten bin ich mit nicht sicher. Ein ehemaliges Forumsmitglied hat sich vor ein paar Jahren mal aus England echte englische Veiltails besorgt. Die finde ich super schön, aber gerade weil sie eben nicht so gedrungen sind sondern beinahe schon schlank.
Hier mal Fotos:





Besonders der Silbergrau-weiße gefällt mir!

Aber wie in anderen Ländern die Geschmäcker hinsichtlich Goldfischzuchtformen sind und ob (außer in England) außerhalb Asiens überhaupt gezüchtet wird, das weiß ich gar nicht.
Also, natürlich gibt es Privatzüchter, aber so richtige nationale Zuchtstandards? Keine Ahnung. Es wäre schon interessant, darüber mehr zu wissen.

Viele Grüße,
Susanne

#3 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Andreas H. 07.07.2015 12:16

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Hallo zum Sommermittag,

dann fass ich mal meine Einschätzung zusammen.

Kurz gesagt ist meiner Meinung nach der asiatische Züchter ein Designer am lebendem Objekt,seine Philosophie soll den fertigen Fisch prägen,seine Haltung widerspiegeln.Da findet sich aus 100000 Fischen vielleicht ein perfektes Tier.
Innerasiatisch mag es dann wie beschrieben Geschmacksrichtungen geben,dieser Grundregel folgend.Weiterführend über kulturelle Hintergründe kann ich mich nicht auslassen,da fehlt mit jegliches fundierte Wissen.
In Europa,namentlich Grossbrittanien vorneweg,Benelux hintendran,da geht es um "Standards",die Fische müssen möglichst perfekt eine Schablone ausfüllen.Dort gibt es organisierte Zuchtszenen mit beachtenswerten Erfolgen,auch in Asien beachteten Erfolgen.
Ein sehr grobes Schema,ja..

Tatsächlich,ein interessantes Thema,auch die Frage nach dem "deutschen" Zuchtstandard oder der Vorliebe.

Kulturell verankert ist der Goldfisch in seinen Zuchtformen in Deutschland nicht so recht,ich wüsste nicht um ein organisiertes Zuchtwesen,der typische deutsche Goldfisch ist meiner Meinung nach entweder "10 Goldfische 3,99" oder "Schleierschwanz gemischt 3,95".

Ansatzweise gab es mal Eiferer im Sinne einer geordneten Zuchtkultur,aber das ist schon einige Tage her.Einige Zehntausend Tage,um präzise zu werden..

https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Matte

Um auf "Eiferer" zurückzukommen,Deutschland ist wahrscheinlich das Land der engagiertesten Tierschützer,vielen von diesen Eiferern wünscht man keinen Gehirnfresser weil das Tier,wenn es das gäbe,mit Sicherheit fehl-oder mangelernährt wäre.
Dummerweise haben diese Leute viel Tagesfreizeit und verleiden einem die Goldfischhochzuchten.Beispielgebend habe ich im Kopf den Fachbeitrag eines informierten Tierschützers,Orandas sind demnach "die mit dem Kreps auf dem Kopf"(sic) Flankierend bohren immer wieder etablierte Zierfischzuchtverbände an einem Verbot von Hochzuchten als Qualzuchten,viele tragen einen Dr.als Monstranz vorneweg.In dieser Gemengelage findet sich ein trefflicher Hemmschuh einen geordneten Zuchtbetrieb aufzubauen,besagter Hemmschuh trampelt jedes zarte Pflänzchen wieder platt.In der Konsequenz kommt nur "Zuchtschrott" aus Asien herein,was man dann sieht befeuert den obigen Personenkreis,ein Teufelskreis vom Feinsten.

So gibts also keinen deutschen Geschmack,das zerfasert sich in den persönlichen Geschmack der einzelnen Halter.

Persönlich begeistern mich schöne massive Ranchus,Teleskopen mit sehr dezent ausgeprägten Augen und Wakins.

Es ist auch die Frage was mag ich für einen Fisch ausgeben?Meine Schallgrenze liegt bei 150 Euro,da lächelt der Asiate und Engländer wohl auch,und mit 150 Euro liege ich wohl im grosszügigen Bereich,schlechte Bedingungen für eine exklusive Goldfischboutique..

Um auf die Frage zurückzukommen,mangels inländischem organisiertem Goldfischwesen schaut ab und an vielleicht mal jemand in die geschilderten Schlaraffenländer,aber richtig eine fundierte Einschätzung mag man sich mangels intensiver Kontakte kaum zutrauen.

Zum guten Schluss noch ein Blick nach Nordamerika,dort muss es "sauber,schön und ordentlich" sein,also einige wenige spektakulär anzuschauende Fische in einem fast blankem Glaskasten,dort wird auch gern der eine oder andere Dollar mehr für die Fische ausgegeben,da bin ich immer etwas unentschieden was ich davon halten mag.

"Gross,saftig und gut durch" wäre noch als Zuchtziel zu erwähnen..
http://goldfische.kaltwasseraquaristik.de/kochen.htm#ikan

Grüsse aus Dortmund

#4 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Constantin 07.07.2015 14:25

Hallo!

Das wird eine richtig interessante Diskussion. Darüber freue ich mich jetzt schon!

Ich wusste nicht, dass man in den Benelux-Ländern mittlerweile wie in Großbritannien damit begonnen hat, nach Standards zu züchten. Gibt es darüber auch etwas im Internet zu finden?

Egal nach welchem Ziel man nun züchtet, die meisten Tiere werden dem nicht entsprechen. Das hat mich ja überhaupt erst auf die Frage nach den unterschiedlichen Geschmäckern gebracht. Denn Fische, die nicht dem Zuchtziel entsprechen, können ja trotzdem oder gerade deswegen einen dankbaren Abnehmer finden, was mich auf Susannes Beitrag zu sprechen bringt.
Die gezeigten Veiltails entsprechen nicht dem publizierten Standard und normalerweise kann man davon ausgehen, dass Züchter ihre besten Tiere nicht weggeben. Das meine ich aber keinesfalls gehässig, denn in diesem Fall hätten wir ja eine, wie man heute so sagt, Win-Win-Situation: Der Züchter kann sich mit der Selektion mehr Zeit lassen, weil er die suboptimalen Exemplare noch verkaufen kann und der Abnehmer freut sich über schöne Fische aus sorgfältiger Aufzucht.

Das wiederum bringt uns zu der sehr wichtigen Frage, die ich mangels Kompetenz nicht beantworten kann: Was ist mit "Zuchtschrott" gemeint? Sind das nur Tiere, die den Zuchtzielen einfach nicht entsprechen oder sind das wirklich qualitativ schlechte Fische, wenn man nur den Maßstab der "Normalaquaristik" anlegt? Es ist ja schließlich ein himmelweiter Unterschied ob man mit "Schrott" meint "Sieht hässlich aus" oder "Ist gesundheitlich schwer beeinträchtigt".

Viele Grüße!

#5 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Andreas H. 07.07.2015 15:40

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Hallo Constantin,

Benelux und Belgien,das hatte ich im Hinterkopf..
Nach längerem Suchen habe ich es wiedergefunden,die Suchschlüsselworter sind "Geert Coppens und Ranchu"

http://www.arosg.com/f164/standard-perfe...-coppens-10682/

Auf einem Arowanaforum?Hier führen zwei Diskussionsketten wieder zusammen,ein qualitativer Züchter holt einen aus 1000 raus und beschäftigt sich mit der Frage "wohin mit den anderen 999".

Perfekte Goldfische bedingen im Hinterhof der Zuchtbemühungen auch die Frage "wohin mit dem Rest?".Unschöne Diskussion,sie muss aber ehrlicherweise angesprochen werden.

Soweit ich das einschätzen kann wird in Grossbrittanien ernsthaft gezüchtet (mit Vereinsmeierei und so),in Belgien gibt es beachtenswerte Einzelkämpfer,die Niederlande profitieren rein geographisch davon in ihrer Auswahl und dann,naja,wir mögen Goldfische und jeder unserer Goldfische ist der allerschönste der ganzen Welt

Mir fehlt Lust und Zeit etwas an "hier are the results of German Goldfisch Interest:Germany zero point" nachhaltig etwas zu ändern.
Was Goldfischforen wiederum etwas anarchisch macht,jeder wie er meint und feste Regeln sind damit obsolet.
Und aus einem seriösem Goldfischforum wird eine lustige Plauderecke mit Goldfischbezug,in die Richtung habe ich es eigentlich gern laufen sehen,es muss auch gemütliche Nischen im Internet geben,hier sind es eben Goldfischbesitzer mit ,ja sagen wir es offen,nicht immer Bestand der Kategorie AAA+.Eigentlich sind es Schrottfische die wir "gefunden" oder "gerettet" haben,in austrocknenden Teichen,in abgewrackten Zierfischbecken,"Abgegebene weil es gerade nicht passt".
Selbst habe ich eine Nachzucht,zwei Notaufnahmen und zwei Teichfindlinge die ich eigentlich mal wieder rücksetzen wollte in einen Teich.

Damit wir wieder beim "Schrott" wären.Meine Fische sind allesamt Schrott in diesem Sinne,ein hartes Thema,man muss sich bewusst sein,Goldfischweibchen werfen 10000 Eier die Saison,da schlüpfen sicher 1000..Von denen darfst du bei sorgfältiger Auswahl 2 behalten,bis zu dieser Entscheidung sind aber 1000 Fische herangewachsen und werden selektiert auf 100,50,10..
Und überhaupt,eine brauchbare Zuchtlinie baut sich über geschätzt 10 Generationen auf..

Diesen langen Atem bräuchte ein Züchter,und angesichts der hier herrschenden Umfelds erklärt sich der Mangel an seriös Zuchtinteressierten.

Wie schon ausgeführt,hier labt man sich eher an lustigen Einzelgoldfischschicksalen wie dem Euroschnäppchen aus dem Baumarkt,dem Adoptierten aus dem Internet oder dem Findelkind von Irgendwoher.
Ist keine Kritik,im Gegenteil,ich mag das und freu mich mit,unterstütze diesen Wildwuchs und Anarchie fernab irgendwelcher Rassestandarddiskussionen.

Wir sind das Forum welches das deutsche Golsfischwesen verdient hat Und wir sind nicht das Forum welches das ändern wird


Gruss aus Dortmund

#6 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Lunula 07.07.2015 17:29

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Hallo alle zusammen!

Bin zwar nur stiller Mitleser, da ich keine Ahnung von "Standards" habe, aber ich muss dann doch noch etwas loswerden: Ich will eigentlich nur sagen, dass dein letzter Beitrag echt toll ist, Andreas !

Der Goldfischverein würde wohl dem Hundeverein "Ein Herz für Streuner und verkorkste Promenadenmischungen" entsprechen! Und genau das ist es, was ich an unserem Forum schätze. Wir reden hier nicht über "perfekte Ware" sondern über Tiere und das geht zwischen den "Standards" leider verloren.

So.. will hier nicht weiter vom Thema ablenken und köchele weiter vor mich hin!
Liebe Grüße
Lisa

#7 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von fancygoldi 07.07.2015 23:24

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Hallo Goldfischfreunde,

wer sich ernsthaft mit Standards bechäftigt, sollte zum Einstieg diese Buch lesen:
http://www.amazon.de/Goldfish-Varieties-...s/dp/0852382650
Goldfish Varieties and Genetics, Joseph Smartt
Hier werden alle Goldfischarten beschrieben und Standads erläutert in Wort und Bild. In diesem Buch bekommt man einen Eindruck vermittelt, was Goldfischzucht bedeutet. Den geschichtlichen Teil fand ich packend, die Standards in der Menge anstrengend.
Wer eine riesige Scheune, Platz für viele Teiche und unendlich viel Geld hat, kann gleich beginnen, mit der Zucht. Jeder andere wird erkennen, man kann in Deutschland Goldfische züchten, als Hobby. Wir haben hier einfach keine ausreichende Menge an hochwertigen Goldfischen und sind vom Klma nicht begünstigt.
Vielleicht könnte es gelingen, wenn sich mehrere Leute zu einer Gruppe zusammenschließen und z.B. eine bestimmte Sorte von Ranchus züchten.
Aber jeder hat so seinen Geschmack, wie wir in den Foren sehen.. Könnte wirklich schwierig werden, einen gemeinsamen Nenner zu finden.
Stellt sich auch die Frage: Macht es nicht den besonderen Reiz der Goldfische aus, das für jeden Geschmack etwas dabei ist? Über Schönheit kann man streiten.
Wer schon länger in der Goldfischszene unterwegs ist, weiß, es gibt immer wieder Moden.Bei anderen Fischen ist es ähnlich. Züchter bleiben auf dem Nachwuchs sitzen, weil plötzlich die Fische aus Asien billg angeboten werden oder eine ganz andere Art chic ist.
Sollte das Ziel nicht erstmal die optimale Goldfischhaltung in Deutschland sein? Der fachkundige Goldfischhalter, wird erfolgreicher sein, mehr Freude an den Fischen haben und ist bereit teure Fische anzuschaffen.
Leider zeigt die Erfahrung, teuer muß nicht gut sein. Wenn man nach größeren Investitionen nur "schwierige " Fische hat, dann wird das Hobby anstrengend. Da stellt sich die Frage, schafft man ein riesen Becken an und findet vielleicht später keine geeigneten Fische?

Qualifizierte Halter und ein ausreichendes Angebot an gesunden Fischen, das wären die Punkte, die ich weit vor jede Geschmacksfrage stellen möchte.
Ich habe nichts gegen Standarts ( die sollten sich nicht nur auf das Erscheinungbild beziehen) und wäre froh, wir hätten hier einen entspannteren Umgang mit Goldfischen. Das Verständnis für Goldfische sollten wir fördern und mit schönen Becken zeigen, wie wunderbar diese Blumen des Wassers sind.

Wenn man die Geschichte der Goldfische betrachtet, sieht man, wie viele Varianten es gibt. Als Beispiel, der moderne Shubunkin, der erst spät entwickelt wurde, hat seinen eigenen Standard, einen britischen und schlägt damit aus der Gruppe der Asiaten. Jede Region hat ihre Fische, die zum Geschmack, aber auch zu den lokalen Gegebenheiten passen. In England ein Teichfisch, farbenfroh und robust. Wenn "Sumuringer "das Zuchtziel sind, dann kommen " Sparschweine" dabei heraus, die uns auch faszinieren können.
Zum Wohlstandssymbol: Der Goldfisch wird in China hauptsächlich als Glücksbringer angesehen und hat mit dieser Eigenschaft sogar die Mao Ära überlebt. Zu dieser Zeit wollte man sich der Goldfischhaltung entledigen, das war nicht erfolgreich. Der Goldfisch blieb das beliebteste Haustier, bis heute.

#8 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Constantin 09.07.2015 14:31

Hallo!

Ich freue mich über eure Beiträge und versuche mal eine Zusammenfassung und Ergänzung.

Was ich noch über den Unterschied zwischen chinesischer und japanischer Goldfischkultur gelesen habe ist Folgendes: Die Chinesen mögen gern immer neue, möglichst einzigartige Formen, da ihr Land so riesengroß ist und es deswegen große Zuchtfarmen gibt. Die Japaner hatten nie so viel Platz und widmen ihre Aufmerksamkeit daher der Perfektionierung bestimmter Zuchtformen. Das Paradebeispiel dafür ist natürlich der Ranchu.
Diese Fische sind heute unter Goldfischfreunden weltweit beliebt. In den USA hat die japanische Kultur durch Einwanderer unmittelbar Einfluss ausgeübt. In Thailand ist das nicht so, aber auch dort wurde der Ranchu populär, wenn man ihn auch dort eher von der Seite betrachtet als von oben. Ich habe den Eindruck, dass es im Westen auch so ist.
In Europa gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstärktes Interesse an Goldfischen inklusive Hochzuchtformen. Dies hielt auf Dauer aber nur in Großbritannien an, wo bald auch eigene Zuchtformen entwickelt wurden. Hier bewertet man die Fische nach Standards, was in Asien so nicht bekannt ist.
An dieser Stelle muss darauf aufmerksam gemacht werden, woher die Idee des Standards überhaupt kommt. Ursprünglich wurden nämlich nur Nutztiere ausgestellt, um Beispiele für besonders gute Exemplare zu zeigen. Bei denen war das Aussehen über lange Zeit hinweg aus der Leistungsfähigkeit der Tiere hervorgegangen, aber es war kein Selbstzweck. Bei Tieren, die im Wesentlichen nur zum Anschauen da sind ist das nicht so. In diesem Fall ist es tatsächlich nicht nötig, einen herkömmlichen Standard aufzustellen, der aussagt, wie die Tiere aussehen sollen. Was man aber auf jeden Fall klar kommunizieren sollte ist, was nicht sein soll, also z. B. extreme Merkmalsausprägungen, die die Gesundheit beeinträchtigen. Persönlicher Geschmack rechtfertigt eben nicht alles.
Nun werden wir in Deutschland in nächster Zukunft wohl kaum das Entstehen einer Züchterszene rund um den Goldfisch erleben, vielleicht wird das sogar niemals passieren. Das ist jedoch gar nicht nötig. Wie Andreas gesagt hat sind Goldfische dermaßen produktiv, dass man sie mit geringem Aufwand in großen Stückzahlen heranziehen kann. Da findet dann jeder einen Fisch für sich, auch wenn es nicht viele Züchter gibt.
Eine Organisation der deutschen Goldfischfreunde wäre, wenn der Einfluss der Tierschützer noch weiter Wirkung zeigt, nicht notwendig um eine geordnete Zuchtszene mit Standards usw. aufzubauen, sondern eher dazu, ein Verbot der Goldfischhaltung zu verhindern. Unterstützung dafür findet sich auch bei den "anderen Aquarianern", man muss nur wissen wo. Ich bin ja auch einer von ihnen und kenne die Vorurteile, die dort gepflegt werden, aber auch die Ausnahmen, die sich auch schon öfter zu Wort gemeldet haben.
Zum Schluss noch ein Wort zu den "Billigfischen", die oft hinfällig sind. Da die Zahl der ernsthaften Goldfischfreunde hierzulande so gering ist, werden die durch ihre Kaufentscheidung allein an der gegebenen Situation nichts ändern.

Viele Grüße!

#9 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Constantin 28.08.2015 20:19

Hallo!

Ich habe auf der Website der Goldfish Society of Great Britain (GSGB) einen Beitrag gefunden, der ein anschauliches Beispiel dafür ist, wie und warum sich die Dinge mit der Zeit ändern können.
Im Wesentlichen geht es darum, dass der Standard für lange Zeit Orandas mit Schleierschwanz-Beflossung forderte. Das war sehr schwer zu erreichen, woraufhin die Zucht dieser Form fast zum Erliegen kam. Vor knapp drei Jahren hat man die eingebuchtete Schwanzflosse wieder zugelassen und seitdem wird wieder gezüchtet.
Meine persönliche Bemerkung dazu: Ich mag es auch lieber, wenn Fische nicht zu überladen sind. Ein markantes Merkmal oder vielleicht zwei ist mir lieber als ein Fisch mit Wen UND besonderer Beflossung und womöglich noch etwas Anderem. Deswegen mag ich auch Löwenköpfe lieber als Ranchu. Und auch Orandas, die ganz kugelrund sind gefallen mir weniger gut als schlankere Exemplare.

Viele Grüße!

#10 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Andreas H. 28.11.2015 19:49

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Hallo Constantin,


Was wohl passiert wenn ich den letzten Beitrag wieder lösche?

Ich glaub dann rutscht der Beitrag wieder herunter..

Um noch etwas Konstruktives zum Thema "fremde Länder und ihre Goldfische" beizutragen,Österreich ist ähnlich wie Deutschland einzuschätzen,dank Grenznähe bekommt man das mit,auch Entwicklungsland.

Grüße zum Wochenende

#11 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Constantin 29.11.2015 18:31

Hallo!

Ja, von den goldfischbezogenen Fortschritten in Benelux habe ich ja überhaupt erst über dieses Forum gehört. Aus anderen Ländern außerhalb von Asien, Großbritannien oder Nordamerika ist mir überhaupt nichts bekannt, abgesehen von einer Negativmeldung. Angeblich sollen in Schweden Orandas verboten worden sein oder es gab zumindest die Absicht, aber ich weiß nicht ob das wirklich stimmt und habe auch keine Lust (wahrscheinlich ergebnislose) Nachforschungen anzustellen.

Um auch meinerseit noch etwas Konstruktives beizutragen: Vielleicht wird man eines Tages im deutschsprachigen Raum oder anderswo in Kontinentaleuropa auch Goldfischausstellungen hinbekommen, nur sehe ich keinen Sinn darin, das klassisch mit Standards und Bewertung durch geschulte Richter durchzuführen. Das wird sich kaum lohnen. Ich frage mich, ob man es "direktdemokratisch" machen könnte, aber das ist schon wieder ein eigenes Thema.

Viele Grüße!

#12 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von fancygoldi 01.12.2015 22:09

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Hallo Constantin,

ist einfach schwierig mit den Vorlieben. In Deutschland, muss man nehmen, was der Markt bietet.
Selber beobachte ich die Goldfische im Handel genau. Über die Schönheit mache ich mir nur noch sehr wenig Gedanken. Es ist die Gesundheit der Fische, die mich beschäftigt. Gesunde Goldfische sind extrem selten. Wenn sie noch ordentlich in den Handel kommen, dann setzt man etwas ins Becken, was die Fische krank macht und stresst oder hält sie einfach nicht artgerecht. Kaum ein Fisch wird so schlecht behandelt, wie die Goldfische. Selbst Geschäften in denen man sich sehr bemüht, bei den Goldis hört die „Liebe“ auf.
Nur ganz wenig Händler stehen zu schönen Goldis und das erweist sich dann häufig als eine völlig unrentable Angelegenheit.

Du schreibst in diesem Thread:

„Eine Organisation der deutschen Goldfischfreunde wäre, wenn der Einfluss der Tierschützer noch weiter Wirkung zeigt, nicht notwendig um eine geordnete Zuchtszene mit Standards usw. aufzubauen, sondern eher dazu, ein Verbot der Goldfischhaltung zu verhindern. Unterstützung dafür findet sich auch bei den "anderen Aquarianern", man muss nur wissen wo. Ich bin ja auch einer von ihnen und kenne die Vorurteile, die dort gepflegt werden, aber auch die Ausnahmen, die sich auch schon öfter zu Wort gemeldet haben.“

Darum erlaube ich mir diesen Exkurs :

Aquarianer im allgemeinen kennen wenig von Goldfischen und haben häufig völlig kritiklos Vorurteile übernommen. Vielleicht war man auch froh, den Tierschützern etwas „anbieten“ zu können, damit man mit den eigenen Fischen weiter in Frieden leben kann. Reine Vermutung von mir.

Inzwischen hat sich die Lage geändert. Die Aquarianer sind im Visier der Tierschützer und man kann Schlimmes befürchten. Aufwachen, sollten mit ihnen, fast alle Heimtierhalter.
Positivlisten schaden der Heimtierhaltung
Dieser Artikel schildert, was politisch im Heimtierbereich vorgeht, für alle Tierhalter relevant:
http://www.zzf.de/themen/tier-und-artens...ierhaltung.html.

Welche Absicht verfolgen die Bestrebungen der Tierschützer? Leider beschäftigen die Aquarianer sich kaum mit dieser Frage und werden überrascht sein, wenn bald nur noch wenige, von Tierschützern ausgesuchte Fische im Handel sind.
Natürlich reagieren die Vereine und Verbände, aber der einzelne fühlt sich nicht betroffen und angesprochen. Darum mein Appell, Aquarianer, lasst euch eure Rechte und Freiheiten nicht einfach abnehmen. Die meisten Aquarianer halten ihre Fische artgerecht und sind fachkundige Naturfreunde.
Würde ich mich nicht mit Fischen beschäftigen, wären mir die unzähligen Umweltproblemen in entfernten Regionen der Welt wahrscheinlich unbekannt. Aber dieses Hobby bildet und erweitert den Horizont, ja es macht sogar politisch aktiv.
Der Umgang mit Fischen erfordert vielfältige Fähigkeiten, schult Aufmerksamkeit und Umweltbewusstsein. Es ist für zahlreiche Menschen ein sinnvolles Hobby, das die Generationen verbindet und einen gesunden Ausgleich zum hektischen Leben schafft.
Laut ZZF. 2012, gibt es 2,3 Millionen Aquarien und 2,6 Millionen Gartenteiche in Deutschland. Das ist natürlich eine geringe Zahl im Vergleich zu den Katzenfreunden mit 31 Millionen, aber auch keine Größe, die man einfach übersehen sollte.

http://www.zzf.de/presse/meldungen/meldu...-heimtiere.html

Liebe Goldifreunde, seid aktive, informierte Aquarianer, die ihren Platz behaupten und sich eine private Oase erhalten. Diese Land hat ganz andere Sorgen, als die Aquaristik.

Hoffentlich beteiligen sich noch viele an diesem Thread.
Deutschland als Hochburg der Goldfischzucht mit ganz eigenen, eher eigenwilligen Standards und Vorlieben, daran müssen wir noch kräftig arbeiten. Sicher ist jedoch, es gibt mehr Goldfischfreunde als allgemein vermutet wird.

#13 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Constantin 02.12.2015 14:49

Hallo!

Danke für deinen ausführlichen Beitrag!
Ich finde, dieses Thema ist einen eigenen Thread wert, weil es so wichtig ist.
Bleibt noch abzuwarten, ob die Vorurteile gegenüber Goldfischen nun abgebaut werden, da man sich mit dem Thema nun sachlich auseinandersetzen muss, um sich nicht ins eigene Fleisch zu schneiden.
Übrigens muss ich natürlich auch darauf hinweisen, dass Tierschutz nicht in Bausch und Bogen zu verdammen ist. Aber gerade in letzter Zeit gehen einige Dinge deutlich zu weit, was die Bevormundung anderer und die Verbreitung sclicht unwahrer Behauptungen angeht.

Viele Grüße!

#14 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Susanne 22.12.2015 09:29

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Hallo zusammen,.

Zitat von fancygoldi

Deutschland als Hochburg der Goldfischzucht mit ganz eigenen, eher eigenwilligen Standards und Vorlieben, daran müssen wir noch kräftig arbeiten. Sicher ist jedoch, es gibt mehr Goldfischfreunde als allgemein vermutet wird.



Das wäre sehr schön, aber wo finden sich diese Leute?
Am Samstag habe ich in der Wochenendbeilage der Süddeutschen Zeitung in einem Artikel über edle High-Tech-Becken in Arztpraxen und Wellnesshotels Fogendes gelesen: "Auf dem Rückzug sind heute dagegen die selbstbetriebenen Klein-Aquarien, die früher in jedem zweiten Haushalt zu finden waren und in keinem China-Restaurant fehlen durften. Der Goldfischzüchter alter Schule hat seine große Zeit hinter sich; seine Expertise stammt oft noch aus der Zeit, als Helmut Kohl im Bonner Kanzleramt ein Aquarium mit südamerikanischen Welsen und Salmlern aufstellen ließ...."

Hmm, naja, zu Helmut Kohls Zeiten hatte ich noch nicht mal angefangen, Goldfische zu pflegen. Aber ganz Unrecht hat der Artikel nicht: Deutschland war vielleicht noch nie eine Hochburg der Goldfischzucht, aber wir waren schon mal weiter, was das Wissen um und das Interesse an Hochzuchten betrifft. Das scheint mir arg zurück zu gehen.
Vielleicht habe ich auch nicht genügend Kontakte zu Goldfischinteressierten Kreisen. Vielleicht treffen sich diese nicht mehr in Goldfischforen sondern auf anderen Plattformen (Whatsapp-Gruppen, Facebook oder was weiß ich...). Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Viele Grüße,
Susanne

#15 RE: Geschmackliche Vorlieben in verschiedenen Ländern von Constantin 22.12.2015 20:44

Hallo!

Querbeet-Journalisten sind meistens nicht besonders gut informiert. Das erkennt man auch an der ironisch-geringschätzigen Formulierung in diesem Fall. Aus diesem Grund lese ich auch fast niemals Zeitung. Wenn man über ein Thema stolpert von dem man Ahnung hat, bekommen die "Ich-schreibe-über-alles-weil-ich-gewissenhaft-recherchieren-kann"-Journalisten meistens nicht mal die grundlegenden Fakten auf die Reihe.

Aber in den meisten Hobbys ist es so: Nur wenige machen sehr viel, reden dafür aber nicht dauernd, und die die weniger tun haben mehr Zeit zum Reden. Kleiner Seitenblick zur Hundezucht: Es gibt einige Rassen, deren Erhalt bzw. Entstehung (vor allem) dem Einsatz einer Einzelperson geschuldet ist. Auf Dauer reicht das nicht, weil niemand unsterblich ist. Dann muss irgendwann eine funktionierende Struktur (= Verein) her, sonst verläuft es im Sande. Manchmal verläuft es auch mit Verein im Sande, aber das führt zu weit.

Übrigens haben wir uns hier vom Thema des Threads entfernt. Wir sollten das woanders weiterdiskutieren. Hier wäre der richtige Ort dafür.

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